Hülsede
Einen ersten Hinweis auf die Ortschaft Hülsede enthalten die um 1150 verfassten Güterverzeichnisse der Reichsabtei Fulda. Darin ist vermerkt, dass einem Herzog Bernhard in "Hulside" zwei Höfe (mansi) zum Lehen überlassen worden sind. Schmarrie wurde um 1230 erstmals als "Smeringe" erwähnt. Die Gründung von Meinsen ist nach einer unsicheren Urkunde zwischen 780 und 802 erfolgt. Herriehausen wurde 1346 erstmals im Urkundenbuch des Klosters Fischbeck als "Herdingehusen" erwähnt und befand sich im Besitz des Klosters. Die Tischlergenossenschaft Hülsede war die Keimzelle der Möbelindustrie im Deister-Süntel-Tal.
In Hülsede steht die zur Mitte des 15. Jahrhunderts auf den Resten einer romanischen Vorgängerkirche aus der Zeit zum Ende des 12. Jahrhun-derts erbaute Pfarrkirche St.-Aegidien sowie das Wasserschloss im Baustil der Renaissance im Weserraum. Wer an evangelische Kirchen denkt, assoziiert damit häufig kahle Räume, deren Ausstattung auf das Notwendigste reduziert ist, in denen Bildschmuck weitgehend fehlt, in denen man auf einfarbig getünchte Wände blickt. Dass eine solche Sichtweise zu kurz greift, dafür ist die evangelisch-lutherische St.-Aegidienkirche in Hülsede ein eindrucksvolles Beispiel. Die noch aus dem Spätmittelalter stammende Kirche in nun gotischem Baustil wurde in den Jahren1574-77 mit einem umfassenden Bild- und lnschriften-programm ausgestattet, das sich auf Deckengewölbe, Kanzel und Emporenbrüstung erstreckt und dem Kirchenraum eine eindeutig lutherische Ausrichtung verleiht. Die in der Technik der Seccomalerei (Kalk-/Kasein-Technik) aufgebrachten Gewölbemalereien zeigen Bibelgeschichten des alten und neuen Testaments. Die im Jahr 1906 freigelegten und restaurierten Deckenmalereien und die dazugehö-rigen Schrifttafeln gehören zu den bedeutendsten protestantischen Bilderzyklen im norddeutschen Raum und fanden in der kunsthisto-rischen Forschung große Beachtung.
Das Wasserschloss entstand als Besitz der Familien von Rottorp, die vom 14. bis Ende des 16. Jahrhunderts in Hülsede ansässig waren. 1529 begann man, das elterliche Steinhaus umzubauen und zu befestigen. Erst 1548 wurde der übrige Teil fertiggestellt und zu der bis heute weitgehend so erhaltenen dreiflügeligen Burganlage mit Torhaus, einem Wall und zwei Gräben ergänzt. Ende des 16. Jahrhunderts entstanden bei weiteren Baumaßnahmen der neuen Besitzer die beiden Treppentürme, der Trompetergang im Innenhof und die Erker an den Außenwänden der Nordwestseite.
- St.-Ägidien-Kirche, St.-Ägidien-Straße 12, 31867 Hülsede
- Wasserschloss Hülsede, Über der Beeke 3, 31867 Hülsede


